Meine heutige persönliche Filmkritik:

Stirb langsam 5:
Ein guter Tag zum Sterben
(2013)

Obwohl ich auf Anhieb nicht so begeistert war, muss ich nach dem geistigen Rekapitulieren doch zugestehen, dass es formal für mich ein waschechter Stirb Langsam-Film ist: Die Action war knackig genug, die Sprüche banal genug, und das Unterhemd schmutzig genug. Dazu beigetragen hat auch, dass Marco Beltrami beeindruckend gut die Originalthemen von Michael Kamen eingearbeitet hat, wenn auch leider nur sehr sporadisch. Die Actionsequenzen waren durchweg von handfester Natur und vom Aufwand her wie üblich beeindruckend (wenn z.B. ein Fahrzeug von einer Brücke in einen Tieflader mit einer Betonröhre kracht), angenehmerweise ohne viel (sichtbaren) Digital-Schnickschnack. Dabei ist mir sehr positiv aufgefallen, dass die durchweg solide Stuntarbeit auch einige wirklich innovative Aktionen beinhaltete, die ich so noch nicht gesehen hatte, wie zum Beispiel das holprige Überfahren von einem Dutzend Autos während McClane mit seiner Tochter telefoniert. Die gesamte anfängliche Verfolgungsjagd an sich fand ich wirklich toll in Bezug auf die großen Dimensionen (weitläufiges Areal, mehrspurigen Straßen, vertikale Wechsel über Brücken und Überführungen), die Inszenierung der beiläufigen Aktionen (unbeteiligte Verkehrsteilnehmer wie der Kleinwagen, der über die Mauerkante auf die darunterliegende Fahrbahn stürzt), und von der Kamera her (Crash Zooms und Wackelei, aber nicht unangenehm übertrieben). Einzig der Schnitt war mir stellenweise tatsächlich etwas zu hektisch. Anleihen aus der Bourne-Trilogie waren hier unübersehbar, aber gekonnt kopiert. Überhaupt erschien es mir so, als ob sich der Film stilistisch von allem möglichen bedient hat, das gerade In ist bzw. sich in erfolgreichen Produktionen bewährt hat. Anfangs wie erwähnt die düster-entsättigte Farbkorrektur und der Schnittrhythmus von Bourne, im Mittelteil das klassische Farbschema grün-blau/orange, und den Schluss in Tschernobyl hat dann offenbar J. J. Abrams gestaltet: Ich mag Lens Flares, wenn sie gut gemacht sind, und die hier fand ich sehr gut gemacht! Für meinen Geschmack ist das insgesamt ein Paradebeispiel für das Motto: 'Gut geklaut ist halb gewonnen.' Das geht gerne in die Hose, aber hier hat es ganz gut funktioniert finde ich. Wie gesagt, rein stilistisch!

 

Die Handlung empfand ich als solide genug, um nicht zu stören. Das falsche Spiel Komarovs kam durchaus angenehm unerwartet, und der Ausflug in den versiegelten Raum in Tschernobyl hatte so ein bisschen was von Abenteuerfilm mit Ruinen und Rätseln und versteckten Schlüsseln, was mir gefallen hat. Wo wir gerade beim Thema sind: das strahlende Tschernobyl im T-Shirt zu besuchen – darauf kann ich mich bei so einem Film einlassen. Die Erklärung, dass dieses Sprühzeug die Strahlung in 20 Sekunden vollständig neutralisieren kann, genügt mir hier als Begründung völlig. Die Vater-Sohn-Beziehung wurde für meinen Geschmack dezent genug gehalten, um den Film nicht aus seinem Genre zu reißen.

 

Beim Bombast in langen Superzeitlupen war ich etwas von mir selbst überrascht: Eigentlich mag ich diesen Stil nicht so, da er für mich schnell künstlich wirkt. Aber ich muss gestehen, hier fand ich die Mehrheit dieser Shots durchaus beeindruckend. Sehr schön fand ich neben den musikalischen Reminiszenzen (sowohl wie erwähnt im Score, als auch in eingespielten Liedern (Ode an die Freude, oder auch New York New York, das stilistisch zu Let it snow aus Teil 1 & 2 passt) auch die inhaltlichen Anlehnungen an die anderen Teile der Filmreihe, wie der Fall des Bösewichts in Zeitlupe am Schluss (wie Hans Gruber in Teil 1), und die Behandlung der ewig im Raum stehenden Frage, an was es wohl liegen mag, das McClane immer in solchen Situationen gerät. Auch das Verhalten der Hauptperson an sich empfand ich innerhalb aller Teile stimmig: Sprüche, Blicke, absurde Kicheranfälle mit blutverschmiertem Gesicht... Manchmal bin ich mir gar nicht so sicher was ich davon halten soll – aber stimmig ist es allemal.

 

Den kurzen, leuchtend gelben Friede-Freude-Eierkuchen-Schlussanhang, wenn sich die (fast) ganze Familie wieder trifft, empfand ich als unnötig gedehnt und zu zeitlupig. Kam aber nicht unerwartet, schließlich bildete es offenkundig die dramaturgische Klammer zur Verabschiedung der Tochter am Flughafen. Aber dann auch noch ein Standbild am Schluss! Pfui! In dieser Sekunde glaubte ich mich in einer schmalzigen Vorabendserie zu befinden. Leider hatte Bonnie Bedelia (McClanes Frau) in dieser kurzen Szene kein Cameo, obwohl laut IMDb sogar Bruce Willis selbst das befürwortet hatte (also dass sie überhaupt wieder dabei sein soll). Die Gründe für das Scheitern sind mir nicht bekannt. Ich finde, es wäre tatsächlich eine passende Gelegenheit gewesen und eine tolle Überraschung! Schade.

 

Insgesamt habe ich mich doch ganz gut und sehr (!) kurzweilig unterhalten gefühlt (der Film ging wirklich sehr schnell rum), ein mehrmaliges Ansehen reizt mich aber nicht. Somit unterscheidet sich dieser Teil dann doch überdeutlich von der Aura eines legendären ersten Teils oder auch Teil 3, der in meiner Wertung gleich danach folgt. Yippee-ki-yay.

Sascha Loffl - Filmemacher