Meine heutige persönliche Filmkritik:

TRON: Legacy 
(2010)

Der Film hatte mich nie gereizt. Erst als ich Oblivion gesehen hatte (der mir sehr gut gefiel, wie aus meiner dortigen Kritik zu entnehmen ist und erfuhr, dass er vom selben Regisseur ist, wurde ich hellhörig und neugierig. Zum Glück! Ich habe mich prächtig unterhalten gefühlt! Die Handlung ist in der Grundidee durchaus interessant, im Detail erschien sie mir hier nebensächlich und störte nicht. Es reichte mir völlig die Grundinformation, dass einer in einem Computerprogramm feststeckt, und ein anderer ihn rausholen will. Der Rest war visueller Hochgenuss sondergleichen, wie ich ihn wahrlich nur selten erlebt habe! Im Ernst, Filme mit einem neuartigen, tollen Look gibts immer wieder. Aber der hier war neuartigererer... Die hart gezeichneten Licht-Schatten-Kanten mit vielen Spiegelflächen und die Farbgebung schaffen eine gewaltige bildhafte Atmosphäre und werden von toll stimmigem Kostüm und Maske komplettiert. Ein tolles Spiel der Linien mit (wenigen!) Farben und (viel!) Kontrast, nicht nur innerhalb eines Bildes, sondern auch zwischen den Szenen bzw. Orten. Als eine der schönsten Licht-/Schatten-/Farben-Anmutung gefällt mir besonders die Inszenierung der überwiegend dunkelblau-schwarz / grau-weißen Ästhetik der Halle mit den vier Sirenen. Die blonde Anführerin beispielsweise ist dabei nur eines von vielen Paradebeispielen für eine gelungene Melange, bei der Besetzung, Kostüm, Maske/Frisur und ein wunderbar sonderbares und geheimnisvolles, fast hypnotisches Spiel (mit ihren staksig unrunden Bewegungen) zu einem beeindruckenden Erlebnis verschmelzen, obwohl es sich um eine relativ unbedeutende Nebenrolle handelt.

 

Bei den Rennen am Anfang mit den Motorrädern, und der Flucht mit den Flugzeugen zum Schluss hin haben mir die Lichtstreifen, die die Fahrzeuge hinter sich herziehen, außerordentlich gut gefallen. Die Umwandlung von Arcade-Spiel zu modern ansprechendem Film-Effektlook ist definitiv geglückt. Beeindruckt hat mich weiterhin, dass sogar atmosphärische Effekte wie Rauch, Nebel, Explosionen oder Funken, die ja von der Bildsprache her gesehen in einem Design voller klarer Linien und stilisierten Umgebungen durchaus unpassend hätten wirken können, einwandfrei integriert waren, und wie gerade bei den Explosionen der Fahrzeuge, oder wenn die Programme in Menschengestalt beim Kampf zerbröseln, stilistisch der digitale Daten-/Pixelbezug eingeflochten wurde durch - schwer zu beschreiben - 'Partikeln in rasterhaften Mustern' nenne ich es mal. Als ob in dem Moment die gepixelte Grafik oder das 3D-Drahtgittermodell durchscheinen würde.

 

Eine schöne Idee war auch gleich am Anfang die Umkehrung der Gravitation beim Kampf mit den Diskusscheiben. Im Prinzip nichts Neues oder Spektakuläres, aber stimmig und spannend inszeniert und schön anzusehen. Die Musik war passend und hat mir ebenfalls gut gefallen, was mich auch ein bisschen wundert, da sie mir im Detail betrachtet erstaunlich eintönig erscheint. Die digitale Verjüngung von Jeff Bridges fiel mir zu keiner Zeit unangenehm künstlich auf. Produktionstechnisch interessant finde ich, dass die Leuchtstreifen auf den Anzügen der Darsteller nicht in der Nachbearbeitung entstanden sind, sondern tatsächlich schon beim Dreh geleuchtet haben - laut IMDb für ca. zwölf Minuten pro Batterieladung.

 

Insgesamt für mich ein Augenschmaus, bei dem ich doch ein wenig nachtrauere, ihn nicht im Kino gesehen zu haben; bei dem sich aber nach einmaligen Gucken eine ausreichende Sättigung einstellt. Für einen Drang nach wiederholter Betrachtungen ist die Handlung vielleicht doch nicht abwechslungs- und/oder wendungsreich genug, obwohl die Grundidee wie erwähnt durchaus interessant und faszinierend ist.

Sascha Loffl - Filmemacher